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Wie setzen wir das Potenzial der personalisierten Medizin um?

Personalisierte Medizin

Umstellung auf personalisierte Behandlungen

Die klinische Praxis tritt in eine Ära personalisierter Medizin ein, in der molekulare Erkenntnisse es ermöglichen, die Behandlung individuell auf das einzigartige molekulare Profil des Tumors eines Patienten abzustimmen.1–3 Die Krebsbehandlung wird immer komplexer, da immer mehr adressierbare Gene identifiziert werden und die Behandlungsoptionen (wie z.B. beim Nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom, NSCLC) zunehmen;4–6 2017 befanden sich über 700 Moleküle in der späten Entwicklungsphase, bei 90% handelte es sich um zielgerichtete Therapien.7 Ein sich weiterentwickelnder Ansatz in der klinischen Diagnostik und der Entscheidungsfindung ist erforderlich, wenn wir mit der zunehmenden Komplexität umgehen und das Potenzial der personalisierten Medizin ausschöpfen wollen.8

03_precision medicine_01_precision medicine_v2_DEChemotherapieKrebs wird vor allem gemäß seiner Lokalisation im Körper behandeltZielgerichtete MedikamenteDie Krebstherapie wird auf Basis des Organs und Biomarkers ausgewähltPersonalisierte BehandlungMolekulare Erkenntnisse ermöglichen es, die Behandlung individuell auf das einzigartige molekulare Profil des Tumors bei einem Patienten abzustimmenORGANBASIERTBIOMARKERSTRATIFIZIERTPERSONALISIERTE MEDIZIN 199020002010202020301980
Molekulare Erkenntnisse

Erfassung klinisch relevanter molekulargenetischer Daten

Es gibt vier Hauptklassen von Genveränderungen: Basensubstitutionen, Insertionen oder Deletionen, Kopienzahlvariationen und Genrekombinationen. 22 Aber können aktuelle Diagnoseansätze wirklich alle erkennen? Bei einzelnen Biomarkertests, die auf verbreitete Diagnosetechniken wie PCR/IHC/FISH setzen, sowie NGS-Multigen-Hotspot-Tests besteht das Risiko, dass Veränderungen des Krebsgenoms, die für die Behandlungspläne von Patienten entscheidend sein können, nicht erkannt werden.4,9–11

Darüber hinaus können komplexe genetische Signaturen für unterschiedliche Tumoren, wie etwa die Tumormutationslast (TMB) und die Mikrosatelliteninstabilität (MSI), weitere wertvolle Erkenntnisse liefern, die zur Personalisierung von Behandlungsplänen beitragen. Beide genetische Signaturen sind mit einem Ansprechen auf Immuntherapien assoziiert.12–17,20-23 Die TMB und MSI können auch gemeinsam durch ein umfassendes molekulares Profiling auf Basis eines Panels krebsspezifischer Gene effektiv gemessen werden.12,13

03_precision medicine_02_genomic insights_v2_DETumormutationslastMikrosatelliteninstabilitätRekombinationKopienzahlvariationInsertionDeletion BasensubstitutionKomplexe genetische Signaturen für alle Tumoren MSITMBVier Hauptklassen der Genveränderung
Weiterentwickelter Ansatz

Weiterentwicklung in der Tumordiagnostik und klinischen Entscheidungsfindung

Um zu gewährleisten, dass Krebspatienten von den neuesten Behandlungsinnovationen profitieren können, ist ein sich weiterentwickelnder Ansatz in der klinischen Diagnostik und Entscheidungsfindung bei Krebs erforderlich, der:

  • klinisch relevante Genveränderungen und Signaturen erkennt
  • die klinische Entscheidungsfindung erleichtert
  • die Behandlungspläne von Patienten personalisiert

Ein umfassendes molekulares Profiling  kann dazu beitragen, dass Patienten von den neuesten Behandlungsinnovationen profitieren können, bzw. die Wahrscheinlichkeit erhöhen, in eine molekular-stratifizierende klinische Studie eingeschlossen zu werden.1,8,19

„Das S3-Leitlinie Lungenkarzinom rät nachdrücklich zu einem molekularen Profiling vor Erstlinientherapie (auch als Präzisionsmedizin bekannt)“ 18

S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms, Langversion 1.0 – Februar 2018 AWMF-Registernummer: 020/007OL

„Anhand des zur Verfügung stehenden Tumorgewebes / der Tumorzellen von allen nicht kurativ behandelbaren nichtplattenepithelialen NSCLC sollen molekularpathologische Untersuchungen hinsichtlich aller therapeutisch relevanten molekularer Veränderungen (nach gegenwärtigem Stand vor Erstlinientherapie als Mindestanfor-derung EGFR-Mutationen in den Exonen 18-21, ALK-Fusionen und ROS1-Fusionen, BRAF V600 Mutationen) eingeleitet werden.“ 18

S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms, Langversion 1.0 – Februar 2018 AWMF-Registernummer: 020/007OL

AMP, Association for Molecular Pathology. ASCO, American Society of Clinical Oncology. CAP, College of American Pathologists. FISH, Fluoreszenz-In-Situ-Hybridisierung. IASLC, International Association for the Study of Lung Cancer. IHC, Immunhistochemie. MSI, Mikrosatelliteninstabilität. NCCN, National Comprehensive Cancer Network. NGS, Next-Generation-Sequenzierung. NSCLC, Non-Small Cell Lung Cancer (nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom). PCR, Polymerase-Kettenreaktion. TMB, Tumormutationslast.
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  18. S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms, Langversion 1.0 – Februar 2018 AWMF-Registernummer: 020/007OL.
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